MAE Frühsport Teil 8
Gekreuzte Arme, übereinander geschlagene Beine. Sich sehen, sich freuen, dieser Kredit war aufgebraucht. Rauchen, klar. Die Zigarette gab mir die Gelegenheit mich abzuwenden. Die wirklich ganz gute Tomatensuppe fand auch am Nebentisch Anklang. Keine schöne Aussicht. Der Löffel tauchte ein, Mund schon aufgerissen, die Zunge schnellte hervor und leckte die Unterseite des Esswerkzeugs blitzblank bevor die Köstlichkeit zum hinein schlürfen an die Lippen geführt wurde. Macht man das so, dem Essen die Zunge herausstrecken, den Löffel von unten sauber lecken, dann das Süppchen lautstark aufsaugen? Ich riskierte einen kritischen Seitenblick. Biggi löffelte stoisch die gemeine Suppe. Ohne Unterseite abschlecken, ohne schlürfen, ohne Geräusche. Wie isst man richtig mit dem Löffel? Ich musste das zu Hause vor dem Spiegel ausprobieren.
„Du rauchst zu viel.“
Genau. Wenn ich rauche komme ich mir weniger nutzlos vor. Was im Umkehrschluss bedeutet: Wenn ich mich nutzlos fühle muss ich rauchen. Um zu messen. Eine Zigarettenpause dauert fünf Minuten. Man kann den Tag mit Zigaretten in fünf Minuten Abschnitte einteilen. Eine Stunde hat vier Zigaretten. Der Abstand zwischen zwei Zigaretten beträgt zweimal fünf Minuten, alle zehn Minuten eine fünf Minuten Zigarette. Ich rauche nicht bloß, ich vermesse den Tag und, haha, lasse ihn in Rauch aufgehen. Hilft überdies beim einschlafen. Zu zählen sind dann keine Schäfchen sondern die fünf Zigaretten-Minuten und die zweimal fünf Minuten zwischen den Zigaretten-Minuten. Man kann leicht durcheinander kommen dabei und muss sich mordsmäßig konzentrieren, aber es funktioniert.
„Ich weiß gar nicht was du hast.“ Biggi schob den leeren Teller in die Tischmitte, lehnte sich zurück, sah mich mit zusammengekniffenen Augen an.
Was ich habe, dachte ich, was habe ich? Keine Lust auf Trash-Essen zum Beispiel. Ironisch essen gehen, so ein Scheiß, ich habe keinen finanziellen Spielraum ironisch essen zu gehen. Ich habe überhaupt einen Hass auf alle Ironie. Biggi hat ein wenig mehr Geld, das reicht aber nur zum sofort ausgeben, deshalb ist sie chronisch Pleite und wenn sie dafür extra mit dem Taxi zur Megaspree Demo fahren muss. Mich zum ironisch essen gehen einladen ist daher einfach nur zynisch, so sieht‘s aus. Wir hätten uns bei Bagdad am Schlesischen Tor treffen können. Döner und Bier für acht Euro. Zusammen. Wir wären zusammen gewesen, nicht nebeneinander, so wie die ganzen Pärchen um uns herum, die oft genug nur nebeneinander sind. Die Frage: „Seid ihr zusammen?“ haben wir all die Jahre mit nein beantwortet, denn wir sind kein Paar. Wir sind immer einfach nur zusammen wie man zusammen ist wenn man zu zweit ist und sich das gut anfühlt. Ja, wir hätten bei Bagdad im tollen Sommergarten sitzen können, wo die Hofkaninchen mit Petersilie aus der Küche gefüttert werden. „Meine große Stadt, wo bist du?“ hätten wir gefragt, ich hätte Biggis Lachfalten gezählt und wir hätten zu mir gehen können und ich hätte definitiv etwas anderes geleckt als die Unterseite eines Löffels.
Hätte hätte Fahrradkette. Neben ausgeleierten Zeitarbeitsuniformen mit der dämlichen Aufschrift Clean House, nicht weit genug weg vom eigenen Elend, da konnte, da wollte ich nur bockig sein. Wir nahmen beide noch ein Bier, schweigend, meines auf nüchternen Magen. Eine kleine Suppe wäre wirklich ganz gut gewesen. Aber eben nur ganz gut.
„Du rauchst zu viel.“
Genau. Wenn ich rauche komme ich mir weniger nutzlos vor. Was im Umkehrschluss bedeutet: Wenn ich mich nutzlos fühle muss ich rauchen. Um zu messen. Eine Zigarettenpause dauert fünf Minuten. Man kann den Tag mit Zigaretten in fünf Minuten Abschnitte einteilen. Eine Stunde hat vier Zigaretten. Der Abstand zwischen zwei Zigaretten beträgt zweimal fünf Minuten, alle zehn Minuten eine fünf Minuten Zigarette. Ich rauche nicht bloß, ich vermesse den Tag und, haha, lasse ihn in Rauch aufgehen. Hilft überdies beim einschlafen. Zu zählen sind dann keine Schäfchen sondern die fünf Zigaretten-Minuten und die zweimal fünf Minuten zwischen den Zigaretten-Minuten. Man kann leicht durcheinander kommen dabei und muss sich mordsmäßig konzentrieren, aber es funktioniert.
„Ich weiß gar nicht was du hast.“ Biggi schob den leeren Teller in die Tischmitte, lehnte sich zurück, sah mich mit zusammengekniffenen Augen an.
Was ich habe, dachte ich, was habe ich? Keine Lust auf Trash-Essen zum Beispiel. Ironisch essen gehen, so ein Scheiß, ich habe keinen finanziellen Spielraum ironisch essen zu gehen. Ich habe überhaupt einen Hass auf alle Ironie. Biggi hat ein wenig mehr Geld, das reicht aber nur zum sofort ausgeben, deshalb ist sie chronisch Pleite und wenn sie dafür extra mit dem Taxi zur Megaspree Demo fahren muss. Mich zum ironisch essen gehen einladen ist daher einfach nur zynisch, so sieht‘s aus. Wir hätten uns bei Bagdad am Schlesischen Tor treffen können. Döner und Bier für acht Euro. Zusammen. Wir wären zusammen gewesen, nicht nebeneinander, so wie die ganzen Pärchen um uns herum, die oft genug nur nebeneinander sind. Die Frage: „Seid ihr zusammen?“ haben wir all die Jahre mit nein beantwortet, denn wir sind kein Paar. Wir sind immer einfach nur zusammen wie man zusammen ist wenn man zu zweit ist und sich das gut anfühlt. Ja, wir hätten bei Bagdad im tollen Sommergarten sitzen können, wo die Hofkaninchen mit Petersilie aus der Küche gefüttert werden. „Meine große Stadt, wo bist du?“ hätten wir gefragt, ich hätte Biggis Lachfalten gezählt und wir hätten zu mir gehen können und ich hätte definitiv etwas anderes geleckt als die Unterseite eines Löffels.
Hätte hätte Fahrradkette. Neben ausgeleierten Zeitarbeitsuniformen mit der dämlichen Aufschrift Clean House, nicht weit genug weg vom eigenen Elend, da konnte, da wollte ich nur bockig sein. Wir nahmen beide noch ein Bier, schweigend, meines auf nüchternen Magen. Eine kleine Suppe wäre wirklich ganz gut gewesen. Aber eben nur ganz gut.




