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MAE Frühsport Teil 18

Wasser oder Wodka. Kaltes, klares Wasser. Zeit verging und ging nicht. Biggi hakte sich bei mir ein: „Lass uns bei dir in der Straße noch was trinken.“ Das taten wir dann, verließen die ehemalige Marmeladenfabrik, trabten die Köpenickerstraße entlang Richtung Friedrichshain, erfrischten uns auf der einen oder anderen Motorhaube, dem Geländer der Warschauer Brücke, holten Biere. Alle waren da, Demented mit akkuratem Flat, Meteors Shirt und seiner ewigen  Demented are Go Lederkutte, Werner Müller aus meinem Hinterhaus, noch mit Weras schwarz lackierten Fingernägeln die tags zuvor ein Paket bei mir abgeholt hatte. Das Büro war auch da. Das Büro hatte sein Büro ursprünglich in verschiedenen Friedrichshainer Toiletten, nahm aber auch spontan Außentermine war. Das Büro begegnet niemandem, es kreuzt Wege.
„Hallo, Habibi, wie geht’s?“
„Mir geht’s gut, und dir?“
„Hab Probleme man. Große Probleme. Was machst du?“
Womit sich die Fensterläden öffneten und eine Sekunde Zeit blieb, die Bestellung aufzugeben. Ich nahm eins auf Kredit, mit dem Versprechen die Geldangelegenheit am Montag zu regeln.
„Danke Habibi, ich muss weiter man, hab Probleme, große Probleme.“
Beim wegstecken spürte ich neben dem Briefchen mit der Spareinlage das Röhrchen vom Kameramann, ich hatte vergessen es zurück zu geben. Wir mussten noch eine Weile aufbleiben. In meiner Küche wurde es hell und wieder dunkel, reden und schweigen und so weiter. Irgendwann legte Biggi sich schlafen. Sie lag in meinem Bett und mein Kopf tobte, sie lag da und ich sah ihre Lachfalten. Ich sah die Spuren ihrer zukünftigen Falten. Wie? Warum? Weil sie gelacht hatte und dabei in der Sonne gesessen und ihre Haut gebräunt war bis auf die Furchen ihres Lachens. Sie hatte ein Buch in der Sonne gelesen und gelacht, ihr Biggilachen. Sie lag da, ganz entspannt und um ihre Augen und um die Mundwinkel lag der Halbkreis ihres Lachens als weiße Strahlen im Gesicht. Das würden ihre Lachfalten werden.
Was mich ergriff in diesem Moment: Wir hatten uns im Sommer anlässlich des frisch verblichenen Michael Jackson vor der O2 World Arena genannten Mehrzweckhalle eingefunden, die Trauerfeier wurde kostenlos Live übertragen. Wir wollten die trauernden begaffen und das stadtplanerische Verbrechen von innen begutachten. Sie öffneten die Türen nicht pünktlich und, um hinein zu gelangen, musste man vorher noch an einem Kartenhäuschen für die Tickets anstehen. Zu kompliziert. Und unwirtlich der Vorplatz. Die sich für Trauergäste haltenden boten nichts, keine schlimmen Kostüme, keinen lächerlichen Ernst, nichts, kein Drama, kein Weinen, keinen Schmerz. Nur der kollektive Wunsch es möge so sein. Im Gegensatz dazu war unsere arrogante voyeuristische Haltung fast buchstäblich ehrliche und respektable Emotion.
Ich schweife ab. Jedenfalls: Biggi stand da vor dieser Halle, wir standen da, auf diesem Platz vor dieser Halle, diesem Platz ohne irgend, ohne was. Der Wind peitschte uns die Sonne ohne Schutz ins Gesicht, legte alles offen, Biggis Make-up war bloß Make-up, ihr Lippenstift lag als Lippenstift auf den Lippen, das Haarspray war zu sehen, wir ungeschminkten Jungs boten der Welt alle Poren und Mitesser und Härchen auf dem Nasenrücken zur Ansicht. Ich weiß noch ich sah die Falten während sie lachte, die sich, hörte sie auf, wieder glatt legten, wie es die normale junge Haut so tut und sah das und dachte: Biggi lacht, sie bekommt Lachfalten, die sich bisher nur im Lachen verstecken und in Sicherheit gebracht werden müssen. Und das ergriff mich, die Erinnerung an diesen Moment. Wie sie da stand, ich sie sah. Wie ich wollte, dass wir uns alle Gegenseitig davor beschützen, vor dieser so grund- und vorsätzlich gemeinen Architektur.
Irgendwann schlief Biggi immer noch, lachend. Irgendwann stand ich wieder in der Küche. Wach bis hierin, bis vor den Drescher.
„Sie bewerben sich nach wie vor in der Gastronomie?“
„Das ist das letzte was ich einigermaßen gut gemacht habe, ich dachte das macht Sinn.“
„Was halten sie denn von Zeitarbeit?“ Sein Blick ruhte weiter auf einem Gegenstand über meinem Kopf, die nächste anstehende Zwischenmahlzeit möglicherweise, ein riesiger Toast Hawaii mit Cocktailkirsche oben drauf, wie er in einem längst untergegangenem Schnellrestaurant seiner Kindheit serviert worden war. „Na dann trotzdem noch einen schönen Tag.“ Ich war entlassen. Den Toast Hawaii nahm ich mit, fest entschlossen, ihm die Friedrichstraße zu zeigen.
 

Alles so schön bunt hier

Verlebt in Berlin: Der Groschenroman "Sybille" erzählt im Internet von den Krisen einer Studentin. Das Motto: "Raus aus der Stadt - rein in die Gefühle".
"Der Tagesspiegel" am 17.07.2010 über unseren MAE-Frühsport-Autoren. [zum Artikel]
 

MAE Frühsport Teil 17

„Und“, der Drescher lächelte verlegen und fixierte einen Punkt über meinem Kopf, „was haben wir erreicht, seitdem wir uns das letzte mal gesehen haben?“ Ich reichte ihm meine pflichtgemäß geschriebenen Bewerbungen, monatlich zwölf, genau sechsunddreißig Stück aus den letzten drei Monaten, sah ihm meinerseits dabei fest in die Augen. Er schlug die Beine übereinander, kurzbehost entblößte er seine Knie, im Herbst, dem waren die Strümpfe unter den Sandalen geschuldet. Ein Wochenende in der Gartenlaube lag hinter ihm, Rippchen vom Grill, träges Blinzeln in die tiefstehende Sonne. Das Wochenende an dem ich sonntags feststellen musste, dass Sonntag war, das Wochenende ohne Samstag. Der Drescher hatte einen Samstag gehabt, mit Familieneinkauf, anschließendem Eierschaukeln und allem drum und dran.
Tja, überlegte ich, tja, tja, was hatte ich erreicht? Ich war am Freitag zusammen mit Biggi bei Kamerad Kameramann aufgeschlagen, Parkett schonend auf Socken und als wir uns gerade anschickten, das gesellige Treiben zu verlassen, drückte Arnulf mir ein Röhrchen mit weißem Pulver in die Hand und ich verzog mich auf Toilette. Gutes Zeug. Verdammt noch mal. Verdammt gutes Zeug. Herrlich gut. Ich nahm gleich zwei, eine links eine rechts, bastelte ein Briefchen. Wozu auch hat man die Hosentaschen voller aufgesammelter Flyer. Zwei Lines in die Nase, eine aufs Konto. Nein, besser auch zwei. Biggi zog nach.
„Nüchtern und auf Koks bist du hübscher als betrunken.“ Dabei fuhr sie mir mit dem Zeigefinger die Wirbelsäule vom Hals abwärts bis auf den Gürtel. Gänsehaut. Ab ging’s. Raketenmäßig. Kritik ohne Selbstkritik. Die Party kippte, ich kippte, von einer Vernissage ohne Kunst direkt an die Hausbar. Hendrick’s mit Tonic und rauchen ohne Rücksicht. Arnulf beobachtete mich aus den Augenwinkeln, Gordons tut es auch sollte das heißen, mein Glas hob sich in seine Richtung. Prost.
Aschenbecher gabs nicht, zum rauchen war die Terrasse vorgesehen. Ein Champagnerglas tat’s auch. Ich schmiss die Bar, verteilte Wodka, Held, na klar, pries Whisky zur Zigarre, hörte zu.
„…hat sich geweigert, mein altes Hollandrad zum Fixie aufzubauen, und ich hab gesagt, ich zahl was du willst. Nichts zu machen. Man wär das cool, ein Hollandrad als Fixie…“
Drei Awesomes belagerten mich, halb so hoch wie die Ramones, Jeans äußerst skinny. Nicht auf Socken, dafür nackt in spitzen Schuhen. Im Schlepptau, einen Schritt dahinter, die weibliche Gefolgschaft, kichernd, einen vollständigen achtziger Jahre Flagstore am Leib tragend. Eine Band, ohne Zweifel, steil auf dem Weg nach oben, schon jetzt mehr Groupies als Gigs. Tourmotto: „On the streets of Berlin“. Richtig so, erst ordentlich abfeiern lassen.  Bühne egal.
„Do you have a line or something?” Wir waren Freunde und kein Problem. Ich ließ mir vom verkniffen dreinblickenden Kameramann das Röhrchen erneut aushändigen und lud die ganze Bande ein. Zusammen auf der Toilette wurde sich erst selbst versorgt. Dann, eine nach der anderen, das Gefolge vorgelassen. „Awesome“, sagten die Awesomes, und das sollte wohl danke heißen. Nicht dafür.
„Do you have a record store or something?”
„Was?”
“Do you have a record store ore something?”
“No”
“Well, but you look like…”
So sah ich aus, unisono fanden sie es awesome. Mehr Wodka, mehr Gin.
 

MAE Frühsport Teil 16

Der nächste Tag oder möglicherweise der übernächste:

Ich hatte einen Kopf und ich hatte Schmerzen, beides gehörte anscheinend zusammen. Der Wind fuhr rein durch das Küchenfenster, hob die Zeitungen vom Boden, blätterte sie durch, raste wieder hinaus, eine Seite schlug mir gegen das Schienbein, schmiegte sich an mich, wollte wohl gelesen werden. Mal aufräumen vielleicht. Ein richtiges Archiv anlegen, überlegte ich, wenn es mir besser geht. Ich stand in der Küche und fühlte mich entsetzlich. Zuvor musste ich im Bett gelegen haben. Wie komme ich sonst in meine Küche, wenn nicht aus dem Schlafzimmer heraus? „Musst wohl gerade aufgestanden sein“, sagte ich mir. Noch einmal etwas lauter: „Musst wohl gerade aufgestanden sein.“ Und es musste ein letztes für nötig und vor allen Dinge für gut befundenes Bier gegeben haben. Wie war ich von da aus in meine Küche geraten? Ich konnte mich an das Aufwachen nicht erinnern. Ich stand in der Küche. Gehen ging nicht. Der Vorderhaus-Fahrstuhl fuhr leer in den vierten Stock, die Türen öffneten sich, Hund lief hinein, Herrchens Hand langte um die Ecke, drückte den Knopf, Hund fuhr hinunter. Dort nahm der von mir Wilhelm getaufte Herr vom Happy Gassi Mobil das Tier in Empfang. Sauber geprobter Ablauf. Aber nicht samstags. Samstags fuhren Herrchen und Hund gemeinsam hinunter, exakt eine halbe Stunde später wieder hoch, Herrchen hält die Schrippentüte und Hund darf die Zeitung quer im Maul tragen.  Wenn Kinder so etwas beobachten wollen sie samstags auch solch einen Hund. Aber heute war nicht Samstag. Oder Herrchen wollte nicht länger Teil einer Kinderbuchillustration sein. Oder die Szene war vom Vortag, wie der kalte Kaffee in der Blechkanne auf meinem Küchentisch. Daneben eine angebrochene Palette Schmerztabletten, noch genau acht Stück. Nehme ich alle auf einmal oder die Hälfte? Erst eine, dann zwei, dann vier? Bliebe noch eine als Reserve. Kalter Kaffee muss nicht frisch sein, dachte ich, kalter Kaffee vom Vortag tut es auch und spülte sicherheitshalber gleich vier Dinger mit einem kräftigen Schluck hinunter. Guter alter kalter Kaffee. „Musst wohl gerade aufgestanden sein“, bekräftigte ich. Untrügliches Zeichen dafür mein Bademantel, das passte. Darunter allerdings trug ich noch immer die Klamotten vom Vortag. Alles an diesem Tag war vom Vortag, der ganze Tag war vom Vortag. Ich war vom Vortag.
 

MAE Frühsport Teil 15

Ich sah ihn an. Leider kein schütteres Haar, dachte ich. Er sah mich an, dachte was. Wir sahen uns an, erst in die Augen, dann einander auf die Zehen, seine hoben und senkten sich ungeduldig oder nervös, meinetwegen auch gelangweilt oder vor Freude. Keine Frage, wir benötigten einen neuen Einstieg ins Gespräch. Er hatte es versaut, nicht ich, wer den ersten Versuch in den Sand setzt, der sollte den zweiten nicht anderen überlassen. Es dauerte, er nahm einen weiten Anlauf.

„Ich war letztes Wochenende in Cottbus, Kerstin besuchen, die ist da am Staatstheater, für eine Spielzeit. Tobi war auch mit, der schreibt jetzt für Springer, sein erstes Praktikum war Junge Welt, danach die Jungle World, taz, jetzt Springer. Ich finde das Konsequent. Ich glaube ja auch das dass langfristig die beste Strategie ist, mit den Konservativen, den bürgerlichen Konservativen, auf Evolution zu setzen statt auf Revolution. Von daher ist das Konsequent. Tobi bei Springer, wie findest du das?“

 

MAE Frühsport Teil 14

Sie lag ja auch goldrichtig damit, es war nichts passiert. Jedenfalls nicht mir. Aber ich war ganz dicht dran gewesen, als etwas passierte, so dicht dran am geschehen, dass es mich hineingezogen hatte, vom Beobachter zum Verfolger zum beinahe Beteiligten. So dicht dran, dass es Überwindung kostete, sich noch eine Weile zurückzuhalten. Davon zu erzählen, Biggi einzuweihen, wäre der nächste logische Schritt gewesen. Tag für Tag hatte ich unter dem genannten Vorwand die Gruppe verlassen und, gleiche Zeit gleicher Ort, Posten bezogen, mich ansonsten ruhig verhalten, auf jegliche Verfolgung der Verdächtigen verzichtet. Viele andere waren täglich anwesend. Der Spatzenmann, der, stets pünktlich, mit freiem Oberkörper, das T-Shirt in den Gürtel gehängt trotz des inzwischen herbstlich zu nennenden Wetters, die Treppen des kleinen Bunkerbergs hinab stieg, um auf seiner Bank Platz zu nehmen. Er sitzt eine Weile, greift dann in die Seitentaschen seiner Hose nach den Brotkrumen, wirft einige vor sich, den Rest in der hohlen Hand, lässt erst die Spatzen kommen, öffnet dann die Hände und während sie sich darauf stürzen, immer mehr, eine Wolke, lacht er und lacht, lehnt sich anschließend zurück, setzt seinen Weg fort.
 

MAE Frühsport Teil 13

Der Kameramann stand in der Tür, ein Glas in der Hand, sah erst mich an, dann an mir vorbei die Treppe hinunter. „Biggi kommt nach?“ Keine Frage, eine Feststellung. „Ja“, sagte ich, „gleich“ und begann, mir den Straßendreck von den Sohlen zu treten, länger als es nötig gewesen wäre, bis er endlich, sich abwendend, den Eingang frei gab, mir noch ein Wort über die Schulter zuwarf: „Parkett.“ Einfach so. „Parkett.“ Nichts weiter. So schlimm hatte ich es nicht erwartet, doch ich leistete Folge, entledigte mich meiner Schuhe, bereit wildfremden Menschen auf Strümpfen gegenüber zu treten.
Der Eingangsbereich war durch einen Vorhang vom Rest der Wohnung abgeteilt, dahinter tat sich ein Raum auf, so riesig, dass selbst die Tafel in der Mitte, die annähernd  30 Personen Platz bot, verloren wirkte. Glasfront mit Spreeblick, offene Küche, einige Stellwände markierten Reviere, das Bett, einen Arbeitsplatz, drei kleine Sessel, ausgerichtet nicht auf einen Fernseher, sondern auf eine Kaffeemaschine mit eigenem Wasser- und Starkstromanschluss an der dem Eingang gegenüberliegenden Schmalseite. Abgesehen von Biggi fehlten noch all die anderen, gerade vier Personen tummelten sich am Tisch, kommunikativ über Eck gesetzt. Der Hausherr hatte zu tun, es sollte Essen geben, Serrano-Schinken am Stück zum selber herunter schneiden, üppige Wurst- und Käseplatten, Brot- und Obstkörbe, Wein stand bereit. Was sollte ich machen? Ich war früh genug, um bei den Pünktlichen sitzen zu müssen, ich konnte mich schlecht am anderen Ende der Tafel niederlassen. Die pünktlichen, das sind zum Beispiel Eltern, die ihre drei Kinder mitbringen. Das Jüngste ist zwei Jahre alt und wird noch gestillt, deshalb kann man es nicht zu hause mit Babysitter abparken. Man muss einem Kind, das „Titten“ sagen könnte, hätte man es ihm beigebracht, in aller Öffentlichkeit die Brust geben.
 

frühsport schlottert

diese woche fällt der frühsport leider aus. wie auch der schulunterricht im käthe-kollwitz-gymnasium in pregnancy hill, dort wird in den klassenräumen trotz heizung nicht mal eine temperatur von 18 grad celsius erreicht. 20 grad sind vorgeschrieben. nachzulesen im rundschreiben über den betrieb von heizungs-, warmwasser und raumlufttechnischen anlagen (rlt-anlagen) in gebäuden und einrichtungen der berliner verwaltung. veröffentlicht im dienstblatt des Senats von berlin vom 28.8.2002.

temperaturen von nicht mal 18 grad celsius! um dieser marke eine winzigkeit näher zu kommen benötigen wir in unserem büro dringend einen kühlschrank. er müsste groß genug sein für vier pesonen, ebenso viele pc, einige telefone, stift und zettel. Im sommer, wenn wir da nicht mehr zum arbeiten rein müssen, sollte er ordentlich mit bier befüllt sein.  wenn jemand so einen kühlschrank abzugeben hat, dann kann er ihn gerne hier abliefern. heute aber nicht, heute hat die frühsportgruppe einen freien tag. wir machen uns jetzt eine woche warm und treten nächsten montag wieder an.

 

MAE Frühsport Teil 12

„Wo geht unsereiner eigentlich hin, wenn er aufs Klo muß?“ Ich ließ die Frage beiläufig fallen, wie man es macht, wenn ein dringendes Bedürfnis allen bekannt gemacht werden soll, ohne es explizit zu benennen. Es war kurz nach halb elf und der Tag strebte seinem Höhepunkt entgegen. In der linken Gesäßtasche steckte mein kleines, feines, zusammengeschustertes Notizbuch, den Kugelschreiber hatte ich an den Halsausschnitt meines T-Shirts geklemmt. Mit jeder Bewegung konnte ich die Ausrüstung spüren, das verlieh dem unsinnigen Unkrautjäten eine über die Tätigkeit hinaus weisende Bedeutung.
Uwe hob kurz den Kopf, runzelte die Stirn, Hamza zuckte mit den Schultern.
„Ihr Männer könnt euch doch ins Gebüsch stellen.“ Manuela sah mich an wie beschränkt.

 

MAE Frühsport Teil 11

Das Signal sprang um, der Wagen preschte davon, nur wir blieben stehen. Warum? Wir hielten gar nicht an der Ampel, ein Missverständnis, zumindest jetzt nicht mehr, jetzt hielten wir an der Haltestelle, die Türen hatten sich gerade erst geöffnet. Das übliche Geschiebe, ich sank auf einen gerade frei gewordenen Sitz. Normalerweise haben bei Beschattungen Verfolger und Verfolgter ein gemeinsames Ziel: das des Verfolgten. Der eine will dorthin und der andere will wissen, wo der andere hin will. Das Ziel der Verfolgung ist das Ziel des Verfolgten. Die Vorgehensweise ist klar: man fährt, rennt, kriecht oder fliegt hinterher. Sofern die nötigen Verkehrsmittel zur Verfügung stehen. Ich saß in der Straßenbahn. Zusammen mit anderen Leuten, die ebenfalls ein Ziel verfolgten. Zu diesem Zweck haben sie sich zusammen geschlossen, nicht um gemeinsam irgendwohin zu fahren, eine Notgemeinschaft, ein beschissener Kompromiss. Man kann keine vernünftige, ordentliche Beschattung durchführen, wenn man fortwährend Kompromisse eingehen muss.

 

MAE Frühsport Teil 10

Neue Fragen waren zu stellen, originelle Antworten zu finden. Eines war klar: Ich musste feststellen, ob sich die beiden regelmäßig trafen, woher sie kamen und wohin sie gingen. Doch zuerst war herauszufinden, wann sie sich trafen, wenn sie sich trafen, mein Gedächtnis für Uhrzeiten war mir abhanden gekommen. Völlig unklar zu welchem Zeitpunkt Dinge geschehen, sie kommen und gehen wie die morgendlichen Jogger, einige laufen im Kreis und man mag es sich nicht merken, wann sie heute schon einmal da waren, ob sie ihre dritte Runde laufen, ihre fünfte. Frühsport absolviert, jawoll, der nächste bitte, ist der Tag bald rum? Nein? Ach doch, wie schön. Es besteht also kein bedarf an Uhren und sie lassen mich im Regelfall auch stets in Ruhe, morgens der Wecker, das war’s dann schon.
 

RAW-News 8.1.10

Hurra, die RED Alert Soliparty ist da...Näheres siehe unten...

Politics aktuell

Wie einige von Euch sicherlich schon wissen, findet am 18.1.10 ab 10 Uhr nun eine nochmalige Begehung seitens der RED durch alle Häuser und Projekträume statt. Dies hatte die RED ja schon einen Tag vor Weihnachten für den 5.1. angekündigt, unseren Wunsch nach Terminverschiebung auf den 15.1. jedoch zunächst nicht respektiert. Herr Müller und Herr Spiegelhalter waren also am vergangenen Dienstag um 10 Uhr da und haben darauf bestanden, wenigstens die Fluchtwege und Treppenhäuser der vorderen Gebäude anzusehen. Im Verlauf kamen auch Herr Wagner und zwei weitere Herren dazu, es wurde viel fotografiert und Herr Müller äußerte wiederholt, dass der Zustand so nicht in Ordnung sei. Im Anschluss wurde dann vereinbart, dass die Gesamtbegehung aller Räume am 18.1. nachgeholt werden soll. Für nähere Infos bezüglich des zeitlichen Ablaufs bitte ans Vereinsbüro wenden, bitte helft Euch, indem Ihr Euch zu diesem Anlass aufgeräumt präsentiert!
Das Brandkommissariat ermittelt wegen schwerer Brandstiftung, hat aber derzeit keine konkreten Anhaltspunkte.

Aus dem Vorstand

Aufgrund der schwierigen Situation appellieren wir nochmals an alle Mitglieder und ProjektpartnerInnen, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen und auch weiterhin den Vorstand durch tatkräftige Mithilfe und Ideen zur Finanzakquise zu unterstützen! Die Interimslösungen für die Bereiche A&B und Veranstaltungen sind in der Ausarbeitung, ebenso wie die Ausschreibung die Anfang der kommenden Woche veröffentlicht wird.

Aus den Häusern und Projekten

Aus aktuellen Anlass finden folgende Plena kommende Woche mit Anwesenheitspflicht statt:
Verwaltungsgebäude Mo 11.1.10, 18 Uhr Intelligenzraum
Stoff&Gerätelager Mi 13.1.10, 16 Uhr küste

Außerdem: MEGASPREE-Plenum immer freitags 19 Uhr kl. Bewegungsraum

RED Alert Soliparty am Freitag, den 22.1.10 im KvU ab 20 Uhr
...weitere MithelferInnen sind willkommen!
....bitte an Pati wenden 0178 - 88 564 28
Mit Filmprogramm, u.a. ‚Wir sind gekommen um zu bleiben’ von Louise Culot, Dokufilmchen vom RAW, auf dem Filmfloor, betreut von Franc,
Bands:
Die Balkonproleten
Silly Circus Band
Die Knattertones
und anschließender Sause mit unserer allseits beliebten Djane YUGOTONKA!
Die KvU ist in der Kremmener Straße 9-11, 10435 Berlin, leicht erreichbar von der Warschauer mit der Tram M10! http://www.kvu-berlin.de/index.php?rubrik=Kontakt

Und übrigens...
...wieso hat noch keine/r eine Schneefrau gebaut??? Morgen soll es ausreichend Schnee geben...
 

MAE Frühsport Teil 9

Kreuzung Berliner Straße, Bundesallee. Das absolute Nichts. U-Bahnhof Berliner Straße. Stadtteile die man nicht auf der Rechnung hat. Wo die berühmt berüchtigten Wilmersdorfer Witwen wohnen sollen. Keine da, alle auf´m Kudamm, bloß weg hier. Ich wollte noch etwas erledigen, eine Kleinigkeit, hastete die Treppe hinunter, geriet ins Stolpern. Vom Rennen ins Gehen zu wechseln, ist anstrengender als umgekehrt. Hier scheint in der Evolution der Fluchtreflex über die Langsamkeit funktional gesiegt zu haben. Ist auch sicherer so, kluge Evolution. Ich hatte die Informationsveranstaltung eines sogenannten Bildungsträgers besuchen müssen. Das halbe Jahr MAE sollte einen 20prozentigen Qualifizierungsanteil beinhalten, ich hatte mich diesbezüglich zurückgehalten, wurde aber auf der letzten Gruppensitzung von der Thiele nachdrücklich aufgefordert, zumindest diese Veranstaltung zu besuchen. „Sehen Sie, das ist ja auch für Sie ganz gut, da fahren Sie hin für zwei Stunden, wir tragen Ihnen hier die volle Stundenzahl ein und für den Rest des Tages haben Sie dann einen freien Tag.“ Zwinker, zwinker, Kumpanei.
 

Frühsport und Erholung

Kein Sport zwischen den Feiertagen.
 
Frühstück

bratwurst

Frühstück: Selma

Rawioli

Ansturm auf das ÖA-Büro
Statt Warteschlange - Was wollt ihr lieber?
 
MAE-Umfrage
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Kiez-Umfrage
Kurtaxe für die Simon-Dach-Straße?